DIE IDEE

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Die besten Ideen entstehen bei einer Flasche Wein - so sind auch diese Spielkarten entstanden. Beim gemütlichen Zusammensitzen und Karten spielen ist die Idee entstanden, persönliche Spielkarten für Oma und Opa zum runden Geburtstag zu gestalten. Die Freude am Karten spielen haben sie schon früh mit uns geteilt und das wollten wir mit der Landschaft verbinden, die wir mit ihnen verbinden. Da die Idee in meinem Bekanntenkreis unglaublich positiv eingeschlagen hat, gibt es jetzt die Möglichkeit weitere Omas, Opas, Mamas, Papas, Bergsteigkameraden, Freunde, Verwandte, Bekannte mit den besonderen Spielkarten zu überraschen und zu einem Spielchen herauszufordern.

Die Illustrationen sind an die bekannten Wahrzeichen des Salzkammergutes angelehnt. Um inhaltlich konsistent zu bleiben, war es uns wichtig, dass auch die Figuren einen Bezug zum Salzkammergut haben. Deswegen kam eine Mischung aus Charakteren zustande, welche aus volkstümlichen Legenden und Sagen stammen oder einen geschichtlichen und religiösen Hintergrund haben.  Bei Interesse einfach weiter scrollen.

DIE SCHWARZEN REITER VOM GOSAUSEE

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Heutzutage haben es die Menschen in unserem Vaterlande viel, viel besser als in vergangenen Zeiten. Sie können friedlich und in Eintracht nebeneinander leben, wenn sie das nur wirklich ernstlich wollen.
Es gehen keine schrecklichen Seuchen mehr um wie früher die Pest. Verbrennungen am Scheiterhaufen, Folter und Galgen gibt es schon längst nicht mehr. Die Leibeigenschaft hat sich aufgehört; und von wilden Bauernaufständen lesen wir nur noch in Büchern.
Auch die Religionsunruhen sind in der Vergangenheit versunken.
Aber zwischen 1712 bis 1715 kam es gerade im Herzen des Salzkammergutes zu schweren Zusammenstößen zwischen katholischen und evangelischen Christen; und bald war die eine Glaubensgemeinschaft, bald die andere im Vorteil, je nachdem, welcher geistliche oder weltliche Machthaber sie stützte. Manches große Unrecht geschah in jenen trüben Zeiten, wo oft Bruder gegen Bruder stand.
Als die Evangelischen - oder Protestanten, wie sie auch genannt wurden - das Übergewicht erlangten, wurden an den katholisch gebliebenen Mitmenschen viele Gewalttaten begangen, die sie nicht leicht vergessen konnten. 

Doch kamen in den Tagen der Gegenreformation die Katholiken wieder an die Macht und zahlten den Evangelischen heim, was sie vordem an ihnen begangen hatten.Um Frieden zu stiften, sandte der Kaiser mehrere Kompanien Soldaten in das besonders unruhige Salzkammergut. Daraufhin begannen aber nicht wenige Protestanten aus diesem Gebiet auszuwandern, um jedem Strafgericht zu entgehen.Es war einmal im strengsten Winter, daß wieder mehrere evangelische Familien aus Gosau und Umgebung sich zusammentaten, um ins Dachsteingebiet zu flüchten und später das steirische Ennstal zu erreichen. Denn schon viele ihrer Glaubensgenossen hatten in der Ramsau am Fuße der Dachsteinsüdwand eine neue Heimstatt gefunden.Bei dem eisigen Winterwetter fühlten sie sich vor Verfolgung ziemlich sicher; und so zog denn die kleine Schar über den zugefrorenen Gosausee schweigend dahin in die freiwillige Verbannung.Doch ihre Flucht wurde verraten und bald waren die "schwarzen Reiter", wie man die dunkelgekleideten Soldaten überall nannte, scharf hinter ihnen her.Die Eisdecke war aber nicht so stark, um die Belastung durch die berittene Abteilung der Kaiserlichen, die auf ihren Rossen eiligst über den See galoppierten, auszuhalten. Das Eis knisterte und krachte unheimlich; Sprünge und Spalten taten sich auf und die Pferde brachen ein und rissen ihre Reiter trotz Wehgeschrei und verzweifeltem Todeskampf mit sich in die schaurige Tiefe.Dort unten wurden sie nach dem Volksglauben in kurze schwarze Fische verwandelt, die sich heute noch im Gosausee vorfinden. Und gleiten sie an drückend heißen Sommertagen behende bis zum Wasserspiegel empor, dann sagen die Gosauer: "Siagst sie dort? Die schwarzen Reiter lassen sich a wieder amal anschaun!"Denn diese alte Sage ist bis in unsere Tage unvergessen geblieben!

Quelle: Sagenschatz aus dem Salzkammergut, Iolanthe Hasslwander, Steyr 1981

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KEIN TRINKGELD VOM KAISER

Hat der Kaiser sein Zivilgewand als Jäger angelegt, so bleibt er oft unerkannt. Denn man ist ja gewohnt, ihn persönlich oder abgebildet in der Uniform eines Feldmarschalls zu sehen.Da ereignet es sich eines Tages, daß sich drei Jäger, Franz Josef, der inzwischen zum König aufgerückte Albert von Sachsen und der Großherzog von Toskana, in den Bergen verirren.Schließlich vernehmen sie ein knarrendes Geräusch, gehen ihm nach und treffen auf einen Karren mit zwei Ochsen, den ein Bauer führt. Franz Josef bittet ihn, sie mitzunehmen und, wenn es für ihn und sein Fahrzeug kein großer Umweg wäre, sie nach Bad Ischl zu bringen.

 

"Aber steigt's nur auf, ihr Jagersleut!" sagte der Bauer. "I bin eh bei Ischl z' Haus."

Nachdem die drei Jäger recht mühselig in den Karren geklettert sind, geht der Bauer wieder neben seinen Ochsen her und treibt sie ohne sonderliche Eile an. Schließlich ist die rumpelnde und nicht gar zu angenehme Fahrt beendet, die Jäger kommen gottlob wieder auf feste Erde zu stehen und sagen dem Bauern ihr „Dankeschön". Franz Josef, vom Schalk geritten, kann sich nicht enthalten zu fragen:

"Weißt, Bauer, wen du jetzt herg'führt hast?"

"Wen den sonst, euch Jagersleut'."

"Paß gut auf, Bauer", spricht Franz Josef weiter. "Ich bin der Kaiser von Österreich und meine Freund' da, der eine ist der König von Sachsen und der andere der Großherzog von Toskana."

Da schüttelt sich der Bauer vor Lachen. "Ha, ha, dös kann a jeder sagn! Und daß ihr's wißt's, i bin der Kaiser von China."

Die Geschichte bleibt nicht unbeobachtet. Wie die drei verschwunden sind, kommt ein Mann auf den Bauern zu und läßt sich von ihm berichten, was denn so lustig gewesen wäre, daß er derart gelacht hat. Er erzählt es und erfährt nun, daß die drei ihn nicht zum Narren gehalten haben. Es war wirklich der Kaiser mit einem König und einem Großherzog.

Aber der beharrt und erklärt: "Dös glaub i net!"

"Ja, wenn ich's dir sag - warum glaubst es net?"

"Dös war ka Kaiser und ka König - die ham mir ja ka Trinkgeld geben."

Quelle: Friedrich Wallisch, Es hat mich sehr gefreut... Graz 1967

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WIE ISCHL ZU SEINEM WAPPEN KAM

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Nahe dem Zusammenfluß der Traun und Ischl soll die heutige schöne, weitbekannte Stadt Ischl dereinst mit einer kleinen Fischersiedlung ihren Anfang genommen haben. Es wird erzählt, daß freundliche Häuser schon damals an der langgestreckten Dorfstraße und um den Kreuzplatz standen. Die Bewohner des Ortes verdienten sich als Fischer, Holzarbeiter, Traunschiffer oder beim Salzbergbau das tägliche Brot. Weite Eschenbestände umgaben die Wohnstätten: Linden und Eschen grünten auch um den Dorfbrunnen am Kreuzplatz, bei dem sich die Menschen, jung und alt, zu mancherlei Gelegenheiten tagsüber einfanden. Auch die durchziehenden Fuhrleute hielten gerne bei diesem Brunnen Rast und gaben Antwort auf hunderterlei Fragen nach dem Woher und Wohin und nach Neuigkeiten aus Stadt und Land. Mit breiter Behaglichkeit erzählten dann die Männer von ihren Fahrten und von Sitten und Bräuchen, die es anderswo gebe.
"Habt denn ihr da kein Wappen?" frug einmal einer etwas geringschätzig. Und als man ihn begierig anschaute, was er wohl meine, und den Fuhrmann zum Weiterreden aufforderte, berichtete er von Markt- und Stadtwappen, die er selbst schon gesehen habe, und wie mancher Ort durch eine merkwürdige Person oder Begebenheit zu einem schönen Wappen gekommen sei. Ja, was tun? Natürlich wäre nun auch den guten Ischlern ein schmuckes Wappen erwünscht gewesen! Aber es fand sich lange weder ein berühmter Ritter noch eine merkwürdige Begebenheit, die man für dauernde Zeiten in einem Wappenbild hätte festhalten können. Eines Tages saßen wieder einmal zur Feierabendstunde mehrere Männer plaudernd um den Brunnen beisammen, als sich unter den nahen Eschen plötzlich etwas bewegte. Die Sprecher verstummten und alle schauten nach den Bäumen hin. Und was sahen sie dort? Eine Gemse! Wirklich und wahrhaftig eine Gemse!
Ohne Scheu trat sie heran und naschte unbekümmert vor den Anwesenden das unterste Laubwerk vom niederhängenden Gezweig einer Esche. Die Männer schauten schweigend zu und wagten kaum zu atmen, um das Tier nur ja nicht zu erschrecken.
Das war ein Ereignis - so etwas gab's wohl kein zweitesmal, daß eine Gemse bis zum Ischler Brunnen am Kreuzplatz kam! Als sie fortgesprungen war, begannen alle mit frohem Eifer durcheinanderzureden; denn jetzt hatte man endlich die langersehnte "merkwürdige Begebenheit"!
Die ganz unerhörte Geschichte wurde sogleich nach Wien berichtet - und bald konnten die glücklichen Ischler in ihrem inzwischen zum Markt erhobenen Ort eine Wappenurkunde des Kaisers Maximilian I. in Empfang nehmen. Diese Originalurkunde, ausgestellt am 10. März 1514, liegt heutzutage sorgfältig aufbewahrt im oberösterreichischen Landesarchiv. In die Schriftsprache unserer Zeit übertragen, lautet ihr Inhalt so:

"Das Ischler Wappen ist ein gelber Schild, im 
Grund desselben drei Schwarzberge, darauf 
stehend ein Gamskalb mit aufgereckten Ohren 
und gekrümmtem, natürlichem Gehörn, mit 
dem einen Hinterfuß auf dem rückwärtigen, 
mit dem anderen und den zwei Vorderfüßen 
auf dem mittleren Berg stehend, zum Schritt 
bereit; auf dem dritten und vordersten Berg 
steht ein Eschenbaum mit seinem grünen Laubwerk."

Dieses Wahrzeichen führt Ischl bis zum heutigen Tag und bestimmt auch in alle Zukunft!
Nun weiß man, wie diese Stadt zum Gemsenwappen gekommen ist.

Quelle: Sagenschatz aus dem Salzkammergut, Iolanthe Hasslwander, Steyr 1981

ELISABETH KAISERIN V. ÖSTERREICH-UNGARN

(SISI)

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Elisabeth Amalia Eugenia, genannt Sisi, Herzogin in Baiern, der »Wildfang von Possenhofen«, heiratete 1854 ihren Vetter, den jungen Kaiser Franz Joseph von Österreich. Die noch nicht Siebzehnjährige, unbeschwert aufgewachsen auf dem Landsitz in Possenhofen, litt sehr unter dem spanischen Protokoll und den zeremoniellen Zwängen am Wiener Hof, und da der Kaiser ständig wegen Regierungsgeschäften unabkömmlich war, fühlte sie sich auch bald vereinsamt.

Sophie, ihre Schwiegermutter, übernahm die Erziehung der jungen Kaiserin, Elisabeth musste erst lernen, in Haltung und Verhalten den Habsburgerhof zu repräsentieren. Mit äußerster Strenge wurden von ihr Disziplin, Verzicht und Gehorsam gefordert, sogar ihre eigenen Kinder bekam sie kaum zu Gesicht. Ihre drei Töchter und der Sohn unterlagen ebenfalls einer strengen höfischen Zucht.

Die Hörigkeit des Kaisers seiner Mutter gegenüber, seine lange Abwesenheit während des Italienfeldzuges 1859 und schließlich seine Untreue belasten die Ehe schwer. Elisabeth revoltiert auf ihre Weise gegen die Zwänge und Zumutungen ihrer Rolle: Sie zieht sich in Krankheiten zurück, die ihr als Alibi für ausgedehnte Reisen dienen.

Fortan wird sie sich nie mehr lange in Wien aufhalten, den Pflichten als Kaiserin und Landesmutter entzieht sie sich mehr und mehr. Allerdings engagiert sie sich einmal als Vermittlerin in der Frage des österreichisch-ungarischen »Ausgleichs«, sie unterstützt erfolgreich die seit dem ungarischen Aufstand 1848 aufgekommene Forderung Ungarns nach weitgehender Selbständigkeit gegenüber den übrigen Ländern der Monarchie. Das Ergebnis ihrer Bemühungen war die Krönung des Kaiserpaares 1867 mit der ungarischen Königskrone.

Neben ihren rastlosen Reisen und ihren waghalsigen Reitunternehmungen widmete sich Elisabeth der intensiven Pflege ihrer auffallenden Schönheit. Sie unterwarf sich Fastenkuren von anorektischem Ausmaß, verordnete sich strenge Diäten (kein Gemüse, rohe Eier, eiskalte Milch, Fleischsaft von rohem Ochsenfleisch), trieb ihre Hofdamen mit stundenlangen Gewaltmärschen zur Verzweiflung, aber ebenso passioniert entwickelte sie neue geistige Interessen. Sie engagierte ungarische und griechische Sprachlehrer, erweiterte ihre Literaturkenntnisse und wurde zu einer abgöttischen Verehrerin Heinrich Heines, in dessen stilistischer Nachfolge sie ihre biographischen Erfahrungen in dichterische Form brachte. Es entstand ihr »Poetisches Tagebuch«.

Nach dem Selbstmord ihres Sohnes, des Thronfolgers Rudolf (1889), nahm ihre Reisetätigkeit zu, Schwermut und Weltverachtung steigerten sich, immer ängstlicher verbarg sie ihre Schönheit hinter Fächern und Schirmen, denn nichts wurde ihr schrecklicher, als angestarrt zu werden. Ein tragisches Ereignis beendete ihr Leben. Bei einem Aufenthalt in Genf, kurz bevor sie einen Dampfer besteigen wollte, wurde sie von einem italienischen Anarchisten ermordet.

MARIA ANNA WALBURGA IGNATIA MOZART

(NANNERL)

Sie ist als »etwas langweilige und nichtssagende Schwester« eines musikalischen Genies in die Geschichte eingegangen. Dabei hatte Nannerl das Zeug zu einer großen Klaviervirtuosin. Der Vater Leopold nahm die beiden Kinder auf langjährige Europareisen mit. Sie begeisterten mit ihrem Spiel das Publikum u.a. in Wien, Paris, London und Brüssel.

Mit 16 Jahren war Nannerl »heiratsfähig« und konnte nicht mehr als Wunderkind gelten. Leopold ging nunmehr mit Wolfgang allein auf Reisen; sie blieb zu Hause und musizierte allenfalls im halböffentlichen Rahmen. Ihre Kompositionsversuche ignorierte Leopold. Nach dem Tod der Mutter führte Nannerl dem Vater den Haushalt. Sie verliebte sich in den Direktor der Salzburger Pagerie, Franz d'Ippold, aber Leopold suchte ihr einen verwitweten Reichsfreiherrn mit fünf Kindern aus, so dass sie 1784 ihr geliebtes Salzburg verlassen und in dem langweiligen Nest St. Gilgen leben musste.

Sie mochte ihren Bruder Flegel, Spitzbub, Bimberl und Hanswurst genauso, wie er seine Schwester Canaglie, Zizibe – seine Königin, die »nicht gleich über jeden Dreck weinen« sollte und der er »hundert Schmatzerl auf ihr wunderbares Pferdegesicht« schickte. Er schätzte ihr literarisches und musikalisches Urteil. 

Das Theater und die Musikangebote Salzburgs fehlten ihr in St. Gilgen; sie ließ sich vom Vater schriftlich alles genau berichten.

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Nach dem Tod ihres Mannes 1801 zog sie wieder nach Salzburg, gab dort Klavierunterricht und kümmerte sich um die Gesamtausgabe der Werke ihres Bruders.

Ob Nannerl auch eine bedeutende Komponistin hätte werden können, wenn ihr Vater sie so gefördert hätte wie den Bruder? Aber ihr Empfindungsraum war ebenso beschnitten wie ihr Bewegungsspielraum.

ANNA MARIA SACHER

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Anna Maria Sacher, geb. Fuchs, wurde am 2. Januar 1859 als Tochter eines Metzgermeisters in Wien geboren.

Sie wuchs in der österreichischen Hauptstadt auf, wo sie die Schule besuchte und im väterlichen Betrieb aushalf. 1880 heiratete Fuchs den Gastronomen und Hotelier Eduard Sacher (1843-1892), der sich seit der zweiten Hälfte der 1860er Jahre als Unternehmer gehobener Gastronomie in Wien betätigte. Eduard Sachers Vater, der Gastronom und Hotelier Franz Sacher (1816-1907), war der Erfinder der später weltberühmten "Sachertorte": 1832 hatte er die feine Torte, für die ein Überzug aus Aprikosenkonfitüre und Schokoladenguss charakteristisch ist, erstmals hergestellt.

Im Jahr 1876 hatte Eduard Sacher sein Hotel in der Wiener Philharmonikerstrasse eröffnet, das binnen weniger Jahre wegen seiner Eleganz, Exklusivität und Spitzengastronomie geschätzt wurde. Aus ihrer Ehe gingen indes zwei Söhne, Eduard und Christoph, hervor. Nachdem ihr Gatte 1892 verstorben war, übernahm Anna Sacher die Leitung des Hauses. 

GOLDHAUBENFRAUEN

Schon um 1760 wurde in bürgerlichen Kreisen die Böndel- oder Bodenhaube getragen, die der heutigen Mädchen- und Bürgerhaube glich. Im Verlauf des 18. und frühen 19. Jahrhunderts entwickelten sich die weichen Stoffhauben, die wegen ihrer reichen goldenen Stickverzierungen Goldhauben genannt wurden. Zunächst wurden die Seitenteile der Haube nach hinten gezogen und der Boden oder Böndel zum Knauf geknotet, um 1830 entstand schließlich die Goldhaube in ihrer heutigen Form.
Rasch wurde die Goldhaube eine beliebte Kopfbedeckung, sodass Mitte des 19. Jahrhunderts sogar eine eigene handwerkliche Industrie damit beschäftigt war, das Material für die „güldenen Haubm“ herzustellen.
Heute gibt es fast 18.000 Goldhauben-und Kopftuchträgerinnen in Oberösterreich.
Neben Goldhauben sind auch die schwarzen Perlhauben sehr beliebt. Fälschlicherweise werden sie oft als Witwenhauben bezeichnet. Gründe für die Beliebtheit dieser Hauben waren vor allem praktischer Natur, denn sie sind kostengünstiger und wiegen weniger.
Das Kopftuch wurde seit Beginn des 20. Jahrhunderts von Bäuerinnen zum Kirchgang getragen und erfreut sich gerade heute auch bei jungen Frauen großer Beliebtheit. Allein in Oberösterreich gibt es 40 verschiedene Bindearten des Kopftuches.
Einheitlich war den Trägerinnen der verschiedenen Hauben und Kopftücher der Familienstand: Nur verheiratete Frauen trugen eine Kopfbedeckung - daher kommt auch der Ausspruch “unter die Haube kommen“.

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HL. WOLFGANG

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Rund tausend Jahre ist es her, da lebte im benachbarten Bayern der heiligmäßige Bischof Wolfgang, dem Kaiser Otto II. ab 972 das große Bistum Regensburg verliehen hatte. - Zu dem Gebiet, über das sich Wolfgangs kirchliche Amtsgewalt erstreckte, gehörten auch weite Ländereien in Österreich, darunter der schöne Abersee im Salzkammergut. Als im Laufe der Zeit Streitigkeiten zwischen geistlichen und weltlichen Mächten in der bayrischen Heimat ausbrachen, wollte der fromme Bischof nichts damit zu tun haben. Und um ja nicht in den Zank hineingezogen zu werden, flüchtete er heimlich an den Abersee, wo er sich von 982 bis 987 als Einsiedler unerkannt aufhielt. Vorerst nahm er seinen verborgenen Wohnsitz am Falkenstein, diesem stolzen Felsennest hoch oben in den dunklen Wäldern!
Wenn man heutzutage den Wegen folgt, die der heilige Mann einst gegangen ist, so gelangt man bald nach dem Beginn des Aufstieges zu einer kleinen, unscheinbaren Kapelle, die wohl viele Wanderer gar nicht beachten. Liest man jedoch die darin angebrachte Tafel, dann erfährt man: "Hier, auf diesem Stein, hat St. Wolfgang gerastet!"
Und jetzt erst betrachtet man ehrfürchtig links neben der Kapelle den verwitterten Steinblock mit der flachen Mulde, in der das angesammelte Regenwasser den Waldvöglein einen willkommenen Trunk schenkt.

Steigt man weiter und immer weiter bergan, trifft man noch drei andere Kapellen, in denen auf großen Holztafelbildern die ganze Lebensgeschichte Bischof Wolfgangs bunt gemalt zu sehen ist.Kurze Sprüche erklären, was die Bilder darstellen. - So zum Beispiel: "St. Wolfgang zu vernichten, schüttelt der Teufel die Felsenwände; doch betend verwehrt der Bischof den Sturz durch seine Hände." Oder: "In Wassernot stoßt St. Wolfgang an diese Felsenstelle - seither fließt heilend da die Wunderquelle!"Sie sprudelt auch tatsächlich noch heute in einem düsteren Winkel der dritten Kapelle aus dem Felsengrund. Das Volk glaubt fest an ihre Kraft, besonders bei Augenkrankheiten.Vom Eingang dieser letzten Kapelle aus blickt man über eine kleine, sonnige Waldlichtung, die linker Hand durch die hochaufragende Falkensteinwand begrenzt ist. Und in diese Wand hinein schmiegt sich das Kirchlein St. Wolfgangs. In dem schmalen Kirchenraum führt eine grob zugehauene Steintreppe zur Schlafstelle des Heiligen. Um sie ganz nahe zu besichtigen, muß man aber zwischen zwei engen Felswänden durchschlüpfen können! Und das kann nur der, der am gleichen Tag noch nicht die kleinste Sünde gedacht, gesagt oder getan hat. Ja, einen solchen Menschen, mag er noch so umfangreich sein, lassen die Felsen ungehindert durch - und er kann sich dann selbst überzeugen, wie bitter arm der mächtige Regensburger Bischof im kalten Gestein geschlafen hat!So lebte also der heilige Mann in Stille und Einsamkeit lange am Falkenstein; doch dachte er immer öfter daran, daß es gut wäre, unten beim Seeufer eine größere Kirche zu gründen, die für alle Bewohner der Gegend gehören würde. Wo aber sollte sie stehen? Er beschloß, Gott selbst möge darüber entscheiden. Nach einem andächtigen Gebet stellte er sich auf einen Felsenvorsprung, schwang einige Male sein Beil und ließ es dann mit aller Kraft in die Tiefe niedersausen. Er dachte bei sich: an dem Platz, wo es auffällt, will ich die Kirche errichten - dorthin will Gott sie haben!Lange, lange mußte er suchen, bis er endlich nahe am Uferrand des Abersees auf felsigem Grund das Beil fand. Die Lage gefiel Bischof Wolfgang wohl; aber der Kirchenbau würde gerade hier keine leichte Sache sein, das war ihm klar.Während er sich noch Gedanken machte, wie er am gescheitesten sein Vorhaben beginnen sollte, kam schon der Teufel daher, um die Ratlosigkeit des Gottesmannes für sich selbst auszunützen. Mit schmeichlerischem Lächeln und untertänigen Worten trat er ihm vor die Augen und bot ihm seine Hilfe bei dem schwierigen Kirchenbau an.Wolfgang war wenig erfreut über das Erscheinen des Teufels; und weil er seinem Willen zur Mitarbeit gar nicht recht traute, fragte er um die Bedingungen, die er stellen werde. Da antwortete der böse Feind mit einer höflichen Verbeugung: "Gar keine großen Bedingungen, du Hochverehrter! Ich bitte dich nur um das erste Geschöpf, das die fertige Kirche betreten wird - das soll mein sein! Ja?"Der weise Bischof überdachte einen Augenblick diesen Wunsch; doch dann nickte er zustimmend und erwiderte: "Gut! Ich bin mit deiner Bitte einverstanden; sie soll dir erfüllt werden!"Daraufhin stürzte sich der Teufel samt seinen Helfern, die er herbefahl, mit Feuereifer in die Arbeit und schob Sandkarren, sprengte Felsen, legte Quadersteine und baute Säulen und Gewölbe, daß es eine Art hatte. Dazu gehorchten er und seine Höllenschar in allen Stücken den Angaben und Plänen des Bischofs, der selbst ebenfalls fleißig beim Kirchenbau tätig war. Endlich stand eines Tages das Gotteshaus in Pracht und Herrlichkeit zu St. Wolfgangs Wohlgefallen vollendet da. Das Portal war geöffnet und die Kirche erwartete den ersten Besucher. Auch der Teufel lag schon auf der Lauer und schaute voll Begierde nach dem Geschöpf aus, das ihm gehören sollte. Und siehe: Wer trabte da im Morgenlicht aus dem nahen Dickicht herbei? Und wer setzte mit einem weiten Sprung über die Schwelle und lief dann neugierig im Kircheninneren herum? Ein junger Wolf war es!Lächelnd zeigte der Bischof auf das Tier und rief dem Teufel zu: "Schau nur - dort ist der erbetene Lohn!"Da wurde der Böse von wilder Wut erfaßt. Er packte den Wolf, zerriß ihn in Stücke und fuhr fluchend zurück in sein Höllenreich. St. Wolfgang wohnte fortan in einer kleinen Felsenkammer dicht neben seiner neuen Kirche. Und er gab guten Rat und wirkte viele Wunder für die Menschen, die sich bald vertrauensvoll um die Kirche her ansiedelten. Der Ruf von seinen Taten und seiner Frömmigkeit verbreitete sich in ganz Österreich und drang über die Grenzen bis nach Bayern. Als man in Regensburg endlich erfuhr, wo der verehrte Bischof lebe und wirke, wurde sogleich eine Abordnung zu ihm gesandt, die ihn inständig bat, doch wieder in sein verwaistes Bistum zu kommen.Da gab er dem Dringen und Drängen der hohen Herren und dem Wunsche des Volkes nach und kehrte in sein Bayernland zurück. Der Ort, der rund um seine Kirchengründung entstand, heißt seitdem St. Wolfgang - und der Abersee ist in unseren Tagen überall als Wolfgangsee bekannt! Dies zur dauernden Erinnerung an einen großen, wundertätigen, heiligen Mann!

Quelle: Sagenschatz aus dem Salzkammergut, Iolanthe Hasslwander, Steyr 1981

HL. FLORIAN

Nach dem Martertod des hl. Florian, der mit einem Mühlstein um den Hals in die Enns gestürzt wurde, wurde dessen Leichnam auf einem Felsen gelandet. Ein Adler schützte ihn mit ausgebreiteten Schwingen. Der hl. Florian erschien nun der frommen Matrone Valeria und zeigte ihr den Ort, wo sie ihn begraben sollte. Auf die Mahnung dieses Gesichtes hin spannte Valeria sogleich die Zugtiere ein, fuhr zum Fluss, verbarg den Leichnam vorerst unter einem Gesträuch, führte ihn aber später zu dem Ort, wo sie ihn begraben sollte. Als aber die Zugtiere ermatteten, bat Valeria Gott, ihr zu helfen. Und sogleich entsprang am selben Platz eine reichliche Quelle und die erquickten Tiere führten den Leichnam zu jenem Ort, wo er begraben werden sollte.

Quellen:
Gustav Gugitz, Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch, Band 5, Oberösterreich und Salzburg, S. 104

 

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HL. KOLOMAN

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Viehkrankheiten und eine Heilquelle. Letztere entspringt unter dem Altar der Brunn- oder Ursprungskapelle. Der Altar enthält ein viereckiges, durch einen Deckel geschlossenes Loch, bei dessen Öffnung man die Heilquelle erblickt, die dann außerhalb der Kapelle zum Vorschein kommt. Es ist Brauch, daß jeder Besucher am Glockenseil zieht, um die Aufmerksamkeit des Heiligen zu erregen (Wunschglocke).
Im 18. Jahrhundert war es geradezu notwendig geworden, an eine Vergrößerung der Kirche zu denken wegen der "so vielen rings in der Kirchen herum aufgehangenen Votiv-Taffeln, Krücken und Wax-Zeichen von allerhand Krankheiten, besonders auch wegen geleisteter Hülff des Viehs". Deppisch führt verschiedene Votivbilder zwischen 1665 und 1743 an. Bei dem Kirchenbrand von 1767 ist jedenfalls das Meiste vernichtet worden. Jetzt findet sich in der Kirche nichts mehr an Votiven. Diese haben sich in die Brunnkapelle zurückgezogen. Man sieht dort Wachsaugen, Stramin-Stickereien mit Dank an Kirche. Außerdem 4 Tafeln ohne Bilder mit Gebeterhörungen. Die älteste ist von 1655. Ein krummer Bauer träumt, daß sein längst verstorbener Sohn zu ihm sagt: "Vater, gehe hin zu St Koloman, opfere auf dein Gebet und wasche dich all da bei diesem Brunnen, so wirst du gesund." Er folgte dem Traum, ging mit großen Schmerzen dahin und wurde gesund. Die anderen Tafeln sind von 1662 (Kranke Kuh), 1677 (Blindheit) und 1743 (Unfall). Deppisch erwähnt 7 Tafeln aus den Jahren 1655-1741.

Quelle: Gustav Gugitz, Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch, Wien 1958, Bd 5, S. 201

HL. KONRAD

Abt Konrad von Mondsee führte ein heiliges Leben, weil er aber dem Kloster die diesem widerrechtlich unter seinem Vorgänger entrissenen Güter wieder zu gewinnen trachtete, zog er sich die Feindschaft der Fechlinger zu, die ihn zwischen Oberwang und Innerschwandt ermordeten, den Toten in eine Hütte schleppten und diese anzündeten, um ihre Untat zu verbergen. Der Leichnam blieb aber von den Flammen verschont. An der Stelle, wo der Heilige ermordet wurde, entsprang eine Heilquelle und über ihr wurde die Kapelle erbaut.

Heilquelle, besonders bei Augenleiden aufgesucht. 
Über der Sakristeitür hözernes angebranntes Brett von jener Hütte aufbewahrt, in der der Abt Konrad II. im Jahr 1145 verbrannt wurde.

Konrad II. Bosinlother (auch: von Mondsee) geb. vor 1100 bei Trier in Rheinland-Pfalz, † 15. Januar 1145 in Oberwang bei Mondsee. Konrad erhielt seine Ausbildung im Kloster Siegburg bei Köln. Sein Mitbruder und Abt Kuno, der Bischof von Regensburg wurde, machte ihn zum Abt seines Eigenklosters Mondsee. Konrad forderte Güter des Klosters von Lehensleuten zurück und wurde dabei von diesen ermordet.

Am Kreuzbichl bei St. Konrad warteten berittene Geistliche auf die Pilger, um gemeinsam zum "Hergott in der Wies" und zum hl. Bründl zu ziehen. Es kam viel Volk.

Quelle: Gustav Gugitz, Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch, Wien 1958, Bd 5, S. 87

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